Skulpturen der Galerie Scheffel im Gustavsgarten, Bad Homburg
Gustavsgarten
01. Mai 2018 -
30. April 2027
Gustavsgarten
Tannenwaldallee 50
61348 Bad Homburg v.d.Höhe
Deutschland
Öffnungszeiten
:
1. April - 31. Oktober: täglich 09:30-22 Uhr
1. November - 31. März: täglich 09:30-17 Uhr
(Eintritt frei)
Ausgestellte Werke
Info
Der Gustavsgarten – der einzige erhaltene der einst sechs Prinzengärten in Bad Homburg – wurde im Stil englischer Landschaftsgärten angelegt, in denen bewusst komponierte Sichtachsen sowie künstlerische oder architektonische Blickpunkte in der naturnah gestalteten Landschaft eine große Rolle spielten. Im Einklang mit diesem historischen Gartenkonzept sind heute zeitgenössische Skulpturen als Leihgaben der Galerie Scheffel an die Stadt Bad Homburg sorgsam im Park platziert und treten in Dialog mit der Natur.
David Nash, “Iron Dome”, 2010
Eisenguss, Ex. 2/2, 46-teilig, Installation: 209 cm x 630 cm x 630 cm
Einen markanten Akzent setzt David Nashs Installation „Iron Dome“ im Gustavsgarten. Sie besteht aus 46 gusseisernen Elementen unterschiedlicher Größe, die mit ihren unregelmäßigen, kantigen Oberflächen und massiven Volumen an natürliche Formationen erinnern, an konische Felsen oder Klippen. Diese sind in vier konzentrischen Kreisen mit nach außen abfallender Höhe angeordnet, sodass ihre Spitzen die Kontur eines Bogens bilden. So verdichten sich die Elemente zu einer kuppelförmigen Gesamtstruktur, die durch die sichtbaren Zwischenräume dennoch offen und leicht wirkt.
David Nash entwickelt seine Skulpturen stets aus der Naturbeobachtung. So ist die in seinem Werk wiederkehrende Form des „dome“ – im Englischen die Bezeichnung für Kuppel oder Gewölbe – von sanften, konvexen Wölbungen in der Natur inspiriert, wie bei Baumkronen oder Bergausläufern. Der „Iron Dome“ erscheint zugleich wie eine verdichtete Gruppierung turmartiger Gesteinsformationen in einer Karstlandschaft. Die kreisförmige Anordnung der bizarren Steinsäulen kann zudem Assoziationen an Rundtempel oder archaische Kultorte wecken und knüpft als Blickpunkt im Gustavsgarten damit zugleich an die Tradition tempelartiger Bauwerke in englischen Landschaftsgärten an.
→ zum Künstler
Magdalena Abakanowicz, “Seated Figures”, 2010
Eisenguss, Ex. 2/2, Installation von 9 Einzelskulpturen, je 300 cm x 160 cm x 96 cm
Die bogenförmig angeordnete Installation “Seated Figures” besteht aus neun überlebensgroßen sitzenden Einzelfiguren: abstrahierte menschliche Körper ohne Kopf und ohne Arme, die erhöht auf einer Art Sitzbock thronen, ohne dass ihre Füße den Boden berühren. Die Figuren sind unbekleidet, weder Geschlecht noch Alter lassen sich bestimmen. Zudem wird ihre scheinbare Körperlichkeit negiert durch die fehlende Gestaltung der Rückseiten: Jede der Figuren ist hohl, ohne Kern und Rücken sichtbar wie eine leere menschliche Hülle geformt – nur die Füße sind vollständig ausgearbeitet.
Während die einzelnen “Seated Figures” aus der Ferne identisch wirken, erkennt man bei näherer Betrachtung, dass die faltige, strukturierte Textur ihrer Oberflächen, ihre „Haut“, jeweils individuell ausgestaltet ist – keine Figur gleicht der anderen. Das Fehlen von Kopf und Armen lässt die Gestalten anonym, hilflos und verletzlich erscheinen. Gleichzeitig sitzen die monumentalen Figuren in ihrer würdevoll aufrechten und streng einheitlichen, wie erstarrt wirkenden Haltung dem Betrachtenden mit eindringlicher Präsenz als überindividuell wirkende Gruppe gegenüber.
„Seated Figures“ ist charakteristisch für das Werk der polnischen Künstlerin Magdalena Abakanowicz. In ihrem plastischen Schaffen durchbricht sie vertraute Körperbilder: Sie gestaltet abstrahierte Fragmente, Mischwesen aus Mensch und Tier sowie kopflose schreitende, stehende oder sitzende menschliche Figuren, die sie häufig zu kleinen bis hin zu sehr großen Gruppen formiert. Ihre Arbeiten, so auch die „Seated Figures“, können als Reflexionen über die menschliche Existenz gelesen werden – über das Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft, über Identität und kollektive Erfahrung.
→ zur Künstlerin
Laura Ford, “Emissary Cats”, 2013
Bronzeguss, Ex. 1/2, Installation von 5 Figuren, Höhe je: 225–290 cm
Mit analytischem Blick auf das Menschliche, psychologischer Schärfe und feinem, bisweilen abgründigem Humor entwirft Laura Ford märchenhaft anmutende Mischwesen oder verfremdete Tier- und Kindergestalten, in denen sie menschliche Charakterzüge und Emotionen, häufig auch soziale und politische Themen reflektiert. Ihre fantasievollen Geschöpfe erscheinen auf den ersten Blick verspielt und entwaffnend – wie Figuren aus Kinderbüchern laden sie zum Schmunzeln ein. Bei näherer Betrachtung jedoch offenbaren sie eine tiefere, melancholisch-düstere Dimension und bleiben trotz ihrer erzählerischen Qualität bewusst rätselhaft und vieldeutig.
Fünf „Emissary Cats“ der Künstlerin – monumentale bronzene Katzenwesen auf zwei Beinen – scheinen im Gustavsgarten gebeugt auf und ab zu schreiten, als seien sie in Gedanken versunken oder in ihren Gefühlen gefangen. In der Körperhaltung und Gestik der Figuren mit ihren schlanken menschlichen Körpern, großen gesenkten Katzenköpfen und langen, auf dem Boden aufliegenden Schwänzen erfasst Ford Zustände der Nachdenklichkeit, der inneren Zerrissenheit, der Scham und der Verzweiflung. Als Impuls für die Gestaltung dieser Figurengruppe verweist sie auf das Fresko „Die Vertreibung aus dem Paradies“ des Renaissancemalers Masaccio, dessen Darstellung der Emotionen in der Malerei seiner Zeit beispiellos war. Auch Fords dunkel patinierte Bronzefiguren verkörpern anschaulich innere Kämpfe in menschlichen Krisensituationen. Zugleich eröffnet ihre vertraute Erscheinung als Katzen – häufig mit zufriedener Gelassenheit assoziiert – einen unmittelbaren und unbeschwerten Zugang. Der Titel „Emissary Cats“ weist sie als Gesandte, als Mittler einer Botschaft aus. Welche Botschaft sie überbringen, bleibt jedoch offen – als Spielraum für die Vorstellungskraft der Betrachtenden.
→ zur Künstlerin
Masayuki Koorida, “Reaction”, 2011
Schwarzer Granit, 210 cm x 130 cm x 130 cm
Im Gustavsgarten sind drei Skulpturen des in Japan geborenen und heute in China lebenden Künstlers Masayuki Koorida zu sehen. Koorida arbeitet vorrangig mit Stein, ist Bildhauer im eigentlichen Sinne. Aus massiven Marmor- oder Granitblöcken bohrt und haut er die groben Formen seiner Werke, um sie anschließend mit höchster handwerklicher Präzision und Hingabe oft über viele Monate zu schleifen und auf Hochglanz zu polieren. Die Härte und Widerstandfähigkeit seines steinernen Materials überführt er in eine Weichheit der Formen und den Anschein organischer Wandelbarkeit. So erinnern seine abstrakten Gebilde häufig entfernt an kleinste Teilchen oder Lebewesen in unendlicher Vergrößerung.
„Reaction“ besteht aus einem vertikal aufgerichteten Objektkern mit zwölf prallen Auswölbungen in symmetrischer Anordnung. Während einige von ihnen fast vollständig kugelförmig ausgebildet sind, scheinen sich in der Körpermitte andere noch zu entwickeln. Diese bewegte Formkomposition verleiht der mehr als zwei Meter hohen, tonnenschweren Skulptur aus schwarzem Granit eine erstaunliche Leichtigkeit – zumal das gesamte Gebilde auf den unteren Kugeln zu balancieren scheint, während die oberen in den Raum ausgreifen. Der Eindruck der Leichtigkeit wird durch das wechselvolle Spiel von Licht und Schatten auf der spiegelglatten Oberfläche der Skulptur noch intensiviert.
→ zum Künstler
Masayuki Koorida, “Complex”, 2011
Weißer Marmor, 86 cm x 245 cm x 186 cm
Auch Masayuki Kooridas Skulptur „Complex“ fällt durch das Zusammenspiel von präziser Einfachheit der abstrakten Form und Ebenmäßigkeit der fein polierten Oberfläche auf. Anders als die beiden anderen Werke Kooridas im Gustavsgarten, wurde „Complex“ aus weißem Marmor gearbeitet. Das schwere steinerne Objekt mit seinen symmetrisch angeordneten Formelementen und weichen Konturen hebt seine mittlere Partie wie auf ovalrunden Beinen scheinbar mühelos vom Boden ab und suggeriert den Eindruck eines belebten Organismus. Man könnte meinen, es handele sich um ein fremdartiges, komplexes Kleinstlebewesen, das zu immenser Größe herangewachsen ist und auf der Wiese für einen Moment in seiner Bewegung innehält. Und doch setzt der leuchtend weiße Stein mit seiner glatt polierten Oberfläche einen deutlichen Kontrast zu den Farben und Texturen der natürlichen Umgebung des Parks. Dabei verrät er angesichts der Eleganz und Tiefenwirkung seiner sanft geschwungenen Formen wenig von seiner Härte und seinem Gewicht. Durch die ausgeglichene Komposition wirkt das Objekt fragil und doch stabil in sich ruhend, von Menschenhand gemacht und doch wie belebt. Es entfaltet – wie alle Skulpturen Kooridas – eine besondere Präsenz im Raum und lädt zum kontemplativen Betrachten und zum behutsamen taktilen Erkunden ein.
→ zum Künstler
Masayuki Koorida, “Embryo”, 2010
Schwarzer Granit, 50 cm x 220 cm x 200 cm
Masayuki Koorida beschreibt den Prozess seines bildhauerischen Schaffens als Vorgang, in dessen Verlauf sich Gedanken und Eingebungen auf der Suche nach einer allgemeingültigen Sprache zu einer Vorstellung, zu einem konkreten Bild formen. Dieser „originäre Inhalt einer Skulptur“ erhalte in seinen Arbeiten durch die reduzierte gestalterische Umsetzung ein vielschichtiges Erscheinungsbild, das wiederum der Fantasie des Betrachtenden einen endlosen Spielraum eröffne. Von der Natur, von ihren Elementen, Phänomenen und Gesetzmäßigkeiten inspiriert, wirken die ausgewogenen Formen seiner Arbeiten meist organisch, zugleich enthalten sie jedoch häufig mathematische, geometrische Elemente. So wie seine Werke nicht als Abbildungen zu verstehen sind, verweisen auch ihre Titel nicht auf etwas konkret Dargestelltes, sondern auf wiederkehrende Regelmäßigkeiten in der Natur.
„Embryo“, aus schwarzem Granit gefertigt, zählt zu denjenigen Werken Kooridas, deren Titel – im Widerspruch zur Dauerhaftigkeit des Materials Stein – Vorstellungen von Lebewesen im Anfangsstadium ihrer Entwicklung aufrufen. Andere heißen beispielsweise „Seed“ (Samen) oder „Growth“ (Wachstum). Und tatsächlich erscheinen die miteinander verbundenen, ellipsoiden Formen der auf dem Boden liegenden Skulptur „Embryo“ nicht nur organisch, sondern können auch Assoziationen etwa an Zellteilung wecken. Zugleich vermitteln sie mit ihren vollendeten Rundungen den Eindruck, als könnten sie bei der leichtesten Berührung zerfließen oder zerplatzen.
→ zum Künstler
Georg-Friedrich Wolf – The Missing Piece, Galerie Scheffel – Ferdinandstraße
24. April – 13. Juni 2026